Potsdam-Treffen: Warum die AfD gegen Journalisten vorgeht
Bekommt Deutschland jetzt die Kerosin Triade?!
Wer kommt seit 40 Jahren nicht aus dem Strahlen raus?
Und was macht die AfD, wenn man ihr nicht geheimes Geheimtreffen stört?
Ich bin Kim Adam und IHR schaut FUNFACTS!
Es gibt Jubiläen, die feiert man gern. Zum Beispiel 75 Jahre Grundgesetz. Oder zwei Wochen ohne Victor Orbán.
Ein weniger erfreuliches Event hatte am Sonntag Jubiläum: Vor 40 Jahren explodierte der Reaktor 4 im Atomkraftwerk Tschernobyl. Ein Sicherheitstest lief schief, mehrere sehr schlechte Entscheidungen folgten aufeinander – und am Ende kam es zum Super-GAU, den erstmal niemand zugeben wollte. Also ein bisschen so wie die Deutsche Energiepolitik der letzten Jahre.
Heute sind wir zum Glück schlauer und wissen, dass Verstrahlung in diesem Sektor ein echtes Problem sein kann.
Die Katastrophe von Tschernobyl führte damals zu einer großen Umwelt und Anti-Atomkraft-Bewegung, aus der sich unter anderem die Grünen geformt haben. „Atomkraft? Nein Danke“ mittlerweile eher:
Atomkraft? Kommt drauf an, wer fragt. Aber man muss eben mit der Zeit gehen.
Apropos Zeit: Deutschland brauchte sehr lange und eine weitere Atomkatastrophe in Fukushima für den finalen Atomausstieg … also,der ist doch jetzt final, oder? Ja, sorry… Atomausstieg und Deutschland, da bin ich mir nie so sicher … das ist wie so eine sehr komplizierte On-Off-Beziehung… „Wir sind nicht mehr zusammen... aber wir schlafen manchmal schon noch miteinander...“ Wegen akuter Krisen und Energie-Abhängigkeiten schlafen… äh, reden wir jedenfalls 40 Jahre später immer noch oder wieder über Nuklearenergie. Dieser Experte (Bild: Jens Spahn) meint, man müsse eine Reaktivierung der Atomkraftwerke in Deutschland zumindest diskutieren.
Easy! Vor allem, während wir sehen, dass Atomkraftwerke im Krieg immer wieder bedroht werden. Etwa, wenn Russland gezielt atomare Infrastruktur angreift.
Über den Reaktor in Tschernobyl wurde 1986 eine Schutzhülle aus Beton, vor zehn Jahren dann ein stählerner Sarkophag errichtet. Im Februar 2025 schlug dort eine russische Drohne ein. Die Folge: ein Loch von etwa 15 Quadratmetern, das notdürftig geschlossen wurde. Eine französische Firma hat sich zwar bereit erklärt, den Sarkophag zu reparieren. Kosten: 500 Millionen. Beginnen könnten die Arbeiten aber erst nach Kriegsende - und das ist bislang nicht in Sicht. Frage an den Österreichischen Nuklearexperten Georg Steinhauser: Wie gefährlich ist die Nuklearenergie heute also wirklich?
Ach so, na dann! Weitermachen!
Nuklearexperte Georg Steinhauser sitzt übrigens in der Jury dieses neuen Castingshow-Formats, das bald anlaufen soll: Die spannende Suche nach dem Endlager für das tödliche Umweltgift! Ursprünglich sollte im Jahr 2031 ein Endlager feststehen. Das wurde jetzt aber gekippt. Laut Experten könnte ein geeigneter Standort frühestens im Jahr 2046 feststehen. Aller Voraussicht nach können wir uns also auf mehrere Staffeln freuen.
Apropos Energie: schlechte Nachrichten für alle Urlauber:innen. In sechs Wochen könnte in Europa das Kerosin knapp werden. Der Hintergrund: Ein Fünftel unseres Kerosins kommt aus den Golfstaaten. Und die Straße von Hormus? Weiterhin dicht! Ach was, NOCH dichter. Da geht gar nichts und deshalb kriegen deutsche Tourist:innen so langsam zurecht Schnappatmung. Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt rechnet im Sommer mit einem Defizit von 100.000 Tonnen pro Tag. Die Folgen sind höhere Ticketpreise, ausgedünnte Flugpläne, gecancelte Verbindungen. Bundeswirtschaftsministerin Reiche hat jetzt extra einen Kerosin-Gipfel einberufen und sagt: Ein Versorgungsengpass bestehe nicht! Das hat man übrigens beim Gas auch gesagt.
FUN FACT: Deutschland hat eine strategische Kerosin-Reserve von einer Million Tonnen. Die ist allerdings nur für Notfälle.
SAD FACT: MEGA PARK Ballermann Opening 2026 ist KEIN Notfall.
Dafür aber so Kleinigkeiten wie...Krieg, zum Beispiel.
Und noch ein SAD FACT: Kerosin ist in Deutschland komplett von der Energiesteuer befreit. Acht Milliarden Euro pro Jahr. Wir subventionieren also ein Produkt, das wir gar nicht haben, mit Geld, das wir auch nicht haben, damit die Flüge, die wir bald nicht mehr machen können, weiterhin günstig bleiben.
Aber jetzt reichts mal mit den ganzen SAD FACTS und schlechten Nachrichten! Jetzt wird es EXKLUSIV und LYRISCH!
Lehnt euch mal zurück ... genau so … und stellt euch Folgendes vor:
Eine prunkvolle Villa an einem verwunschenen See ... Irgendwo in Potsdam… es ist November. Draußen wird es langsam dunkel ... drinnen werden vielleicht die Kaminöfen angefeuert und diese Zeilen ertönen…
Audio:
"Und plötzlich wussten wir: Wir konnten das Herz Europas nicht finden,
weil wir das Eigene verloren hatten
"Das Eigene verloren" - an "Migranten" wie den Hunnenkönig Attila...
"und ahnten, dass das unsere ein Teil des anderen war.
Wir fühlten das gleiche Blut in den Adern des anderen
und dieselben Gedanken im Hirn des Nachbarn.
Wir sahen die Augen, die uns vertraut vorkamen,
weil es die Augen des Bruders waren."
Mitmenschen sind also nur weiße, europäische Nachbarn..."
Vielleicht erinnert ihr euch an Gernot Mörig. Zahnarzt aus Düsseldorf. Der hat im November 2023 zu einem Treffen nach Potsdam eingeladen, um in gemütlicher Atmosphäre mit AfD-Politiker:innen, Identitären und anderen Geldgebern über Remigration von deutschen Staatsbürger:innen zu quatschen. Mörig spielte da dieses Gedicht, das wir hier aus Respekt vor unseren Zuschauenden nur ausschnittweise wiedergeben haben, zu Beginn des Treffens in Potsdam ab.
Correctiv hat ihn dazu natürlich befragt. Mörig schreibt: "Ich habe das Gedicht abgespielt und dies geschah bewusst, ohne den Namen des Verfassers zu nennen, um damit einen inhaltlichen Bezug zum Autor zu vermeiden. Denn mir ging es darum, die Inhalte des Gedichts zu zitieren und nicht einen wie auch immer gearteten Zusammenhang zum Verfasser herzustellen." Er habe es abgespielt, um für das Überwinden nationalstaatlichen Denkens zu werben. Ja… man muss die Kunst vom Nazi trennen! Verfasst hat das Gedicht nämlich Konrad Windisch. Ein gesicherter Rechtsextremist aus Österreich, der mehrfach wegen des Verfassens nationalsozialistischer Texte zu Gefängnisstrafen verurteilt wurde. Puh... Huy huy huy...
Ne, nicht die Huy. Wobei doch! Die wird gleich auch noch wichtig! Aber worum geht es denn überhaupt? Vielleicht erinnert ihr euch: Dieses Geheimtreffen in Potsdam kam nur ans Licht, weil Correctiv es im Rahmen einer Recherche aufdeckte. Und was machen die Teilnehmer:innen? Einige von ihnen klagen.
Nee, nicht ganz. Sondern gegen die Recherche. Laut AfD war das Treffen nämlich gar nicht Geheim. Kein Geheimtreffen! Nur ein ganz normales Kartoffeltreffen. Es gab keine geheimen Pläne, keine geheimen Absprachen und es sei auch gar nicht um deutsche Staatsbürger gegangen und überhaupt war das alles ja halb so wild, bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen!
AfD-Politikerin Huy ... sagte vor Gericht:
Es sei ja gar nicht MÖGLICH, deutsche Staatsbürger auszuweisen, deshalb alles easy, alles entspannt. Das ist ungefähr so, als würde ich wegen versuchten Bankraubs vor Gericht stehen und sagen: „Euer Ehren, ich wollte die Bank gar nicht überfallen, der Tresor war ja eh zu."
Aber nochmal zurück zum Gedicht: Susan Arndt, Professorin und Literaturwissenschaftlerin an der Uni Bayreuth, sagt, es gehe im Kern um ein völkisches Europa, einen ethnischen Volksbegriff.
Aha, ein ethnischer Volksbegriff also. Und zum ethnischen Volksbegriff hat das Bundesverwaltungsgericht gesagt: „Nach alledem erweist sich das auf die Bewahrung einer ‚ethnokulturellen Identität‘ ausgerichtete sogenannte ‚Remigrationskonzept‘ Martin Sellners in Bezug auf die deutschen Staatsangehörigen als nicht egalitär und daher als menschenwürdewidrig.“ Das steht also klar im Konflikt mit dem Grundgesetz. Dem ist es nämlich egal, ob man seit Generationen Deutscher ist oder seit letztem Dienstag. Und Martin Sellner ist doch der, der damals auch in Potsdam als Redner eingeladen war um – über was nochmal? Ach ja! Sein Remigrationskonzept zu sprechen. Ja gut, das konnten die Teilnehmer:innen und die anwesenden Vertreter:innen von AfD und CDU vorher natürlich nicht wissen – Sellners Buch „Remigration – ein Vorschlag“ kam ja erst ein paar Monate später raus, um das Unwort des Jahres 2023 zu besiegeln.
Sellner hat offenbar mehrere Konzepte. Jedenfalls meint er auf Nachfrage, das in Potsdam vorgestellte sei gewaltfrei und rechtsstaatlich gewesen. Klingt nett. Aber: In seinem Buch schlägt er zum Beispiel vor, das Wahlverhalten oder die Herkunft des Freundeskreises „unterschiedlicher Herkunftsgruppen“ zu monitoren. Das ist eher nicht rechtsstaatlich.
Auch zur Correctiv-Recherche gibt es aktuelle Urteile, die sind aber noch nicht rechtskräftig. Das Landgericht Hamburg hat die Klage gegen Correctiv von Anwalt und Teilnehmer des Treffens Ulrich Vosgerau und Gernot Mörig abgewiesen.
Und ja, der Unterlassungsklage von Gerrit Huy wurde in Berlin stattgegeben, zwei Passagen in dem Text dürfen demnach nicht weiterverbreitet werden. Die Recherche aber steht. Aber mal ehrlich: Wenn du nur mal eben besprechen willst, wie man ein paar Straffällige ausweisen kann, brauchst du keine völkischen Fackelträger, keinen Martin Sellner und auch kein rechtsradikales Blut-und-Boden-Gedicht. Wer solche Leute einlädt, so über Menschenleben spricht, solche Gedichte abspielt, der vertritt ein ganz klares Menschenbild. Das sind keine Konservativen, die beim Thema Migration noch Nachholbedarf sehen, das sind Rechtsextreme.
Ach so und da war ja noch was... Roland Hartwig, der persönliche Referent von Alice Weidel. Ihr engster Mitarbeiter. Der Mann, der ihre Termine kennt, wohl ihre Reden mitschreibt, ihren Lieblings Kaffee zubereitet – Spoiler: nicht schwarz! – der wird nach Veröffentlichung der Correctiv-Recherche einfach so rausgeschmissen. Wenn in Potsdam wirklich nur über Vereinsrecht und Schlagermusik geplaudert wurde, warum feuert man dann kurz darauf einen Mann, der eine prägende Rolle bei dem Treffen hatte?
Mir gibt das richtige Wirecard-Energie. „Wir haben nichts gemacht. Aber den Buchhalter haben wir trotzdem mal entlassen - sicherheitshalber!"
So, das war es mit heute. Und jetzt: klappt den Laptop zu, legt das Handy weg und lest ein schönes Gedicht!
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